12. Bericht: Von Dakar nach Bobo Dialasso (23.03.05 bis 10.04.05)

Am 23. März sind wir wohlbehalten wieder in Dakar gelandet, im Gepäck jede Menge Ersatzteile für die Räder und auch einige neue Ausrüstungsgegenstände. So haben wir auch die ersten Tage damit verbracht, die Räder wieder auf Vordermann zu bringen. Wir mussten einige Verschleißteile austauschen, außerdem mussten wir nun auch endlich einmal unsere Magura Hydraulikbremsen entlüften, da die Bremskraft nach all den Kilometern arg nachgelassen hatte. Dies war jedoch einfacher als gedacht. Dann lag Hendrik einige Tage mit einer Erkältung flach -- der Temperatur- und Klimawechsel der letzten Zeit forderte seinen Tribut.

Am 29. März ging es dann endlich wieder los. Wir hatten ja schon bemerkt, dass das Wetter deutlich wärmer war als vor unserer Abreise nach Deutschland, doch wie heiß es tatsächlich war, merkten wir dann erst beim Radfahren: Franzi wäre mittags um 12 Uhr fast mit einem Hitzschlag vom Rad gekippt, bei über 45°C im Schatten auch kein Wunder! Dazu kam dann auch noch ein sengend heißer Wind von vorn, der mehr einem Fön auf höchster Stufe glich, hierbei handelte es sich eindeutig um den Hamatan aus der Sahara. Die nächsten vier Stunden haben wir dann schwitzend unter einem Baum verbracht. Ab 16 Uhr war die Hitze wieder einigermaßen erträglich, so dass wir weiterfahren konnten. Wir sind dann noch bis zur nächstgrößeren Stadt Mbour gekommen, wo wir uns in das Coco Beach Hotel eingemietet haben. Da es einen Pool gab, haben wir kurzentschlossen einen Tag extra dort verbracht. Frisch erholt ging es am nächsten Tag recht früh weiter landeinwärts. Doch an diesem Tag schien es uns noch heißer zu sein, so dass wir bereits nach 40km um 11 Uhr Mittagspause gemacht haben. Die nächsten sechs Stunden haben wir im Schatten einer kleinen Kirche verbracht. Hendrik ist dann ab und zu zur gegenüberliegenden Bude marschiert und hat kühle Getränke besorgt. Um 17 Uhr hatte es sich endlich etwas abgekühlt, so dass wir weiterfahren konnten. Abends wollten wir gern unser Zelt bei einer Kirche aufschlagen, doch das ging leider nicht. Etwas entfernt von diesem Ort haben wir dann glücklicherweise einen ruhigen Platz für unser Zelt gefunden. Das war dann auch gleichzeitig die Premiere für unser neues Merlin-33 Zelt von The Northface – allerdings nur für das Innenzelt.

Bereits an diesem Abend ist uns klargeworden, dass wir bei diesen Temperaturen wenig Chance haben, zu radeln, da es schlichtweg zu heiß ist. Außerdem hatten wir auch wenig Lust, die Hälfte des Tages untätig unter einem Baum zu sitzen. Hinzu kam die Angst, dass uns das Insulin selbst in der Thermoskanne zu heiß werden könnte. Daher haben wir uns entschlossen, einen „Turbogang“ einzulegen, um so der extremen Hitze zu entgehen. Da wir wussten, dass der Zug Dakar-Bamako in der Stadt Tambacounda hält, sind wir am nächsten Morgen per Taxi dorthin. In der Tat sollte am nächsten Tag der Zug fahren, leider konnte uns nur keiner sagen, wann. Normalerweise fährt der Zug um 23 Uhr ab, tatsächlich fährt er aber erst um 1 oder 2 Uhr morgens ab. Wir haben uns dann erst einmal auf die Warteliste setzen lassen. Abends hieß es dann nicht nur, dass der Zug frühestens um 3 Uhr morgens eintreffen wird, sondern nebenbei erfuhren wir auch noch, dass der Zug für die 180km bis zur Grenze tatsächlich neun bis elf Stunden braucht, da die Gleise so schlecht sind. Da wir nicht sonderlich erpicht darauf waren, die Nacht auf einem Bahnhof zu verbringen, und mitten in der Nacht in einen Zug mit all dem Gepäck zu steigen, haben wir die Nacht lieber in einem Hotel verbracht, und sind die 180km bis zur Grenze am nächsten Tag mit einem Taxi in zweieinhalb Stunden gefahren.

Die Ausreise aus dem Senegal verlief unproblematisch, das Visum für Mali hatten wir ja bereits in Mauretanien besorgt. Die Grenzer verlangten trotzdem noch einmal 2000 CFA (das entspricht circa 2,50 Euro), doch da sie Franziskas 10000 CFA Schein nicht wechseln konnten, ging es dann auch so. Von der Grenze waren es dann noch einmal gute 100km bis zur nächsten größeren Stadt in Mali, dem Ort Kayes. Da hier an der Grenze die Nachfrage nach Transportmitteln größer war als das Angebot, mussten wir zwangsweise gleich neun Fahrscheine kaufen, um genügend Platz für die Räder und das ganze Gepäck zu haben. Wir erreichten Kayes nach einer abenteuerlichen Fahrt auf einer größtenteils sehr schlechten Sandpiste in einem Auto, bei dem der deutsche Tüv einen Schlaganfall bekommen hätte, gegen 15 Uhr. Unterwegs sind wir übrigens dem Zug aus Dakar nicht begegnet!

In Kayes sind wir dann sogleich zum Bahnhof, da wir wussten, dass von hier noch andere Züge nach Bamako fahren. Wir hatten Glück, am selben Tag sollte noch ein Zug um 20.15 Uhr fahren. Natürlich waren alle Fahrkarten bereits ausverkauft, doch für 25% Aufschlag konnten wir auf dem Schwarzmarkt noch zwei Fahrkarten zweiter Klasse kaufen. Unsere Räder und ein Großeil des Gepäcks, in einen gigantischen Reissack verpackt und zugenäht, haben wir als Gepäckstücke aufgegeben. Zumindest das Verstauen der Räder hat Hendrik persönlich überwacht. Dann haben wir es noch geschafft, kostenlos im Bahnhofshotel zu duschen. Um 18.30 Uhr konnten wir schon einmal einsteigen, das war auch gut so, da wir noch im Hellen unsere Plätze einnehmen konnten, da es im Zug kein Licht gab. Der Zug, ein ausrangierter französischer, muss mindestens 45 Jahre alt gewesen sein und ist seit mindestens so langer Zeit auch nicht mehr gesäubert worden.... . Glücklicherweise konnten wir dann doch noch in den Liegewagen 1. Klasse wechseln, denn eine halbe Stunde nach der geplanten Abfahrt des Zuges fiel ihnen erst auf, dass ja gar keine Lok vorhanden war! Gegen 23 Uhr traf diese dann endlich ein, nun musste allerdings erst einmal rangiert werden, um 1.55 Uhr morgens setzte der Zug sich dann endlich in Bewegung. Morgens um 6 Uhr waren wir aber noch nicht weit gekommen. Auf einer Strecke verglichen mit der Strecke Lübeck - München hatten wir es in den ersten vier Stunden immerhin bis Bad Oldesloe gebracht (ca. 20km). Es war also klar, dass die Zugfahrt keineswegs nur 10 Stunden dauern wird. Wir haben insgesamt für eine Strecke von 500km 25 Stunden gebraucht und waren abends um 21 Uhr endlich in Bamako. Obwohl diese Zugfahrt super anstrengend war, da es nicht nur höllisch heiß war, sondern der Zug auch gewaltig in alle Richtungen ruckelte, war es ein Abenteuer der besonderen Art. Bei jedem Stopp kamen fliegende Händler an den Zug, und es gab alles Erdenkliche zu kaufen: Afrika pur! Landschaftlich war es anfangs ziemlich karg und ausgedörrt, wurde dann aber, je dichter wir Bamako und dem Niger kamen, etwas grüner.
Zu unser großen Beruhigung und Überraschung hatten unsere Räder und das Gepäck die Fahrt auch fast unbeschadet überstanden, und wir waren froh, am 4. April in unsere Hotelbetten zu fallen.

Bamako hat uns wider Erwarten gut gefallen, die Stadt scheint ein einziger Bazar zu sein. Einmal sind wir allerdings recht unangenehm mit der Polizei aneinander geraten. Wir waren gerade auf dem Weg zum Hotel, als eine Horde Polizisten die vermutlich illegalen Straßenhändler verscheuchen wollte auf uns zu kam. Plötzlich war der Chef dieser Einheit der Meinung, dass Hendrik unerlaubterweise diese Szenerie und ganz speziell ihn beim Prügeln gefilmt hätten. Glücklicherweise hatte Hendrik dieses Mal in der Tat keine Fotos gemacht, doch die Polizisten waren davon nicht zu überzeugen, verlangten den Film und verstanden partout nicht, dass es sich um eine digitale Kamera handelt und es folglich keinen Film gab. Mit ihren Schlagstöcken versperrten sie uns den Weg und wollten, dass wir auf ihren obersten Chef warten. Wir sind einfach weitergegangen, sie hinterher, irgendwann war dann klar, dass der oberste Chef nicht gewillt war, sich mit so einer Lappalie abzugeben, und wir konnten weitergehen. Das dieses allerdings nun wirklich keine Art und Weise ist, mit Touristen umzugehen, war, den Jungs nicht so recht beizubringen.

Ansonsten haben wir in Bamako unsere Visa für Burkina Faso und wider Erwarten auch schon für Ghana bekommen können. Am 9. April sind wir mit dem Bus bis Sikasso gefahren und am 10. weiter nach Bobo Dialasso in Burkina Faso. Hier haben wir dann auch erfahren, dass es zwar immer sehr heiß zu dieser Zeit ist, dass es dieses Jahr allerdings besonders heiß ist, na also!