13. Bericht: Von Bobo Dialasso nach Accra (11.04.05 bis 21.04.05)

Trotz der Hitze sind wir am 12. April mit den Rädern von Bobo Dialasso in Richtung Ghanaische Grenze gestartet. Die ersten 20km ging es sanft bergab auf der Hauptstraße in Richtung der Hauptstadt Ouagadougou. Dann mussten wir abbiegen und fanden uns auf einer Piste wieder. Abseits der Hauptstraße verursachten wir natürlich noch viel mehr Aufmerksamkeit mit unseren Liegerädern. Kaum hielten wir irgendwo an, hatte sich auch schon eine Menschentraube um uns gebildet. Die Menschen in Burkina Faso waren zwar äußerst neugierig, aber wirklich freundlich. Bereits im Senegal und in Mali waren die Menschen zum Teil sehr arm gewesen, doch hier herrschte eine derartige Armut, dass ein Grossteil der Kinder zum Teil splitternackt herumlief, mit vor Hunger aufgedunsenen Bäuchen. Und trotzdem ist man uns überall freundlich begegenet.

Die Hitze war auch an dem Tag ungeheuerlich, uns lief der Schweiß nicht nur so runter, sondern er tropfte regelrecht von unseren Fingerspitzen. Das Trinkwasser hatte sich innerhalb kürzester Zeit in eine heiße Brühe verwandelt... Um Mitternacht hatte es sich lediglich auf 35°C abgekühlt – da war an Schlaf kaum zu denken, und wir rollten uns die halbe Nacht schweißnass auf unseren Isomatten. Am nächsten Tag sind wir, obwohl noch todmüde, schon kurz nach Sonnenaufgang los, doch schon um 10:00 Uhr war es uns wieder einfach zu heiß zum Weiterfahren. Hinzu kam unsere ständige Sorge um das Insulin, denn in den kleinen Orten, durch die wir fuhren, gab es keinen Strom, und so konnten wir kein Eis mehr zum Kühlen des Insulins kaufen. Bei diesen Temperaturen versagte dann doch Hendriks ausgeklügeltes Kühlsystem mit den Thermosflaschen, was er bis dahin immer wieder mit Eisbrocken unterstützt hatte. Hinzu kam, dass es in diesen Orten ausser viel zu kleinen und viel zu früh geernteten Mangos nichts, aber auch rein gar nichts mehr zu kaufen gab. Das “Trinkwasser” aus den Brunnen, an denen gleich daneben auch das Vieh getränkt wird, war eine bakteriologisch-virologische Bombe, dem wir auch nach dem Filtern noch nicht so richtig trauten.
Glücklicherweise konnten wir am Abend noch einen Transport bis zur Grenze (Hamile/Ghana) organisieren.
Ghana empfing uns mit einem pompösen “Welcome to Ghana” Torbogen und sehr relaxten, freundlichen und kompetenten Grenzbeamten. Obwohl Ghana deutlich reicher ist als Burkina Faso, hatte der Grenzort für seine wahrscheinlich nicht allzu häufigen Gäste lediglich ein Hotel mit Eimerdusche und Plumpsklo ohne Licht.

Allmählich machten sich die Folgen der Hitze bei Hendrik immer mehr bemerkbar, sein Kreislauf begann verrückt zu spielen, hinzu kamen Magenschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Daher entschlossen wir uns, weiter mit dem Bus zu reisen. Zunächst ging es nach Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas und der ehemaligen Hauptstadt des Ashantireiches, wo es wieder etwas Vernüftiges zu essen gab. Aber der Flüssigkeitsverlust der letzten Zeit hatte unseren Kreislauf schon zu sehr aus der Bahn geworfen, als dass wir uns auf’s Rad hätten schwingen können. Die letzten 200 km vor Kumasi waren wir langsam immer weiter aus der Trockenheit der Sahelzone in das üppige Grün der Tropen hinübergeglitten, aber jeder weitere Kilometer durch das Grün deprimierte uns noch mehr. Überall sieht man aus den Bananen- und Maniokfeldern noch einzelne verbrannte riesiege Baumstümpfe ragen, oder es steht hier und da noch ein einzelner Urwaldriese, der einsam seine riesige Krone in 20-40 m Höhe ausbreitet. Der einst bestimmt unglaubliche Urwald scheint unaufhaltsam der Brandrodung schutzlos ausgeliefert zu sein.

Als wir am 17.April mittags in unserm langersehnten Ziel an der Küste, in Cape Coast, der ehemaligen Haupstadt der Briten, eintreffen, geht es Hendrik derart schlecht, dass er die nächsten 24 Stunden nicht mehr aus dem Bett kommt. Erst kam das Erbrechen, dann der Durchmarsch, dazu dann noch Fieber (Aber wie vernüftig messen, wenn die Aussentemperatur über der Körpertemperatur liegt?). Malaria ?? Am nächsten Tag sind wir sicherhalbshalber ins örtliche Distrikt-Krankenhaus gefahren, wo er für umgerechnet 3,- € auf Malaria und Typhus getestet wurde, was zum Glück negativ war, weiter helfen konnten sie ihm jedoch auch nicht.

An Radeln war in der tropisch schwülen Hitze absolut nicht mehr zu denken, so dass wir mit einem Taxi (wie fast alle (Gebraucht-)Autos hatte der Opel-Kadett noch den D-Aufkleber hinten drauf) weiter nach Accra in die Haupststadt Ghanas gefahren sind. Hendrik ging es derart schlecht, dass allein das Verladen der Räder in das Auto schon zu anstrengend für ihn war.

Mitten in Accra haben wir dann Inge und Jeroen, die beiden Holländer aus Tan Tan/Marokko, mit denen wir uns schon grob in Accra verabredet hatten, getroffen. Das gab dann ein großes Hallo. Die beiden sind zwar tapfer fast die gesamte Strecke geradelt, waren aber auch dementsprechend platt und dünn geworden. Auch ihnen hatte das Radfahren in Westafrika eigentlich nicht mehr sonderlich viel Spaß gemacht, insbesondere da auch sie schwer krank geworden waren. Die beiden hatten sich deshalb schon seit längerem dazu entschlossen, Westafrika den Rücken zu kehren und nach Uganda zu fliegen.
Auch für uns stand eine Entscheidung an, wollten wir nicht Hendriks Gesundheit riskieren. Anfangs wollten wir noch nach Südafrika fliegen, um dort bei angenehmeren (Winter-)Temperaturen die Reise zu Ende zu bringen. Leider verschlechterte sich Hendriks Gesundheitszustand wieder derart, dass wir dann ganz kurzfristig am 20. April bei Lufthansa für insgesamt 16,5 Millonen Cedis einen Flug von Accra nach Hamburg für den 21. April gebucht haben.

>> 14. Bericht: Heimflug