3. Bericht: Von Biarritz nach Santiago de Compostela (02.09.04 - 01.10.04)

Am 31. August haben wir unseren Freund Bjoern heil auf dem Flughafen von Biarritz in Empfang genommen.

Zwei Tage spaeter sind wir dann gemeinsam nach St. Jean-Pied-de-Port gestartet, um den beruehmten Pilgerweg, den Jakobsweg, zu fahren. Der Apostel Jakobus soll zwei Jahre lang die iberische Halbinsel missioniert haben und soll der Legende nach in Santiago begraben sein. Im 9. Jahrhundert hat man hier seine Gebeine gefunden, und der Pilgerstrom begann. Uns ging es weniger um religioese Pilgergruende, sondern wir hatten einfach Interesse, diese interessante Strecke mit dem Rad zu fahren. Wir haben uns aber an die Strassen gehalten und nicht an den Wanderweg.

Zunaechst ging es von St. Jean ueber den 1057m hohen Ibaneta Pass. Da St. Jean nur auf ca. 150m liegt, kamen wir ganz gut ins Schwitzen, doch wir haben ja schon einige Paesse in den Beinen. Die anderen Radfahrer waren mal wieder erstaunt, dass man mit Liegeraedern prima Berge klettern kann. Ueber Roncesvalles ging es weiter in die Stierkampf-Stadt Pamplona. Hier haben wir unseren Pilgerpass erworben, der uns berechtigt, in den Pilgerherbergen zu uebernachten. Doch die erste Nacht mit 60 anderen Pilgern in einem Schlafsaal hat uns dann gereicht, so schnell wollten wir das nicht wiederholen.
Danach ging es wieder ueber den nur 841m hohen Etxauri Pass, der zwar etwas abseits der eigentlichen Pilgerstrecke liegt, doch an dessen Hang Geier ihre Nester haben, was ein besonderes Schauspiel war. Weiter ging es durch die spanischen Regionen Navarra und La Rioja, wo es nur so von Weinanbaugebeiten wimmelte. Ueber Logrono und einem weitern Pass ging es nach Burgos, das eine schoene Altstadt mit einer beeindruckenden Kathedrale hat.


Hier mussten wir dann eine Zwangspause einlegen: Nachdem Hendrik bereits an seinem Rad Kette, Zahnkranz und Ritzel ausgetauscht hatte, die Schaltung aber immer noch Probleme machte, sahen wir uns mit einem "worst case szenario" konfrontiert: Das Getriebe der Rohloff-Schaltung hatte einen Schaden, etwas, was ueberhaupt nicht sein kann/darf. Zum Glueck hat sich die Firma Rohloff sehr kooperativ gezeigt und uns ein Ersatzgetriebe geschickt. Das hat nur etwas gedauert, so dass wir knapp eine Woche in Burgos verbracht haben. Leider war zu dieser Zeit eine Kaeltewelle, und wir hatten nachts nur 5 Grad.... Der Austausch/Einbau des Getriebes war dann zum Glueck kein Problem!
Leider hat es unserem Freund Bjoern nicht so gut in Spanien gefallen, und er ist von Burgos mit dem Bus zurueckgefahren.

Mit dem neuen Getriebe radelte es sich natuerlich deutlich besser.
Von Burgos ging es ueber die Meseta-Hochebene (Region Kastilien-Leon) nach Leon. Hier war es flach, so dass wir gut vorangekommen sind. Ueber Astorga ging es dann weiter ueber den 1500m hohen Cruz de Ferro. Auf dem Pass steht ein ca. 5m hoher Baumstamm mit einem Eisenkreuz in einem riesigen Steinhaufen. Die Tradition will es, dass man einen Stein am Kreuz ablegt als Symbol einer mitgebrachten Last und so erleichert den Weg fortsetzt. Klar, haben wir natuerlich auch gemacht.

Danach ging es in einer rauschenden Abfahrt auf 500m runter. Leider ging es am naechsten Tag dann wieder auf 1300m hoch (O Cebreiro Pass). Hier oben haben wir dann bei der Herberge gezeltet mit einem fast 360 Grad Blick: abends hatten wir auf der einen Seite den Sonnenuntergang und am naechsten Morgen dann auf der anderen seite den Sonnenaufgang.

Inzwischen hatten wir auch die Grenze zur Region Galizien ueberquert, und die Landschaft wurde deutlich gruener. Nun trennten uns nur noch wenige Kilometer von unserem Ziele Santiago, doch auch die letzten Kilometer ging es rauf und runter, der Weg macht es einem bis zum Schluss nicht leicht. Am 28. September haben wir dann nach 961km und 4389 Gesamtkm Santiago de Compostela erreicht und am naechsten Tag unsere Pilgerurkunde in Empfang genommen. Auch wenn Santiago nur ein Teilziel darstellt, so haben wir es erreicht, wie all die andern Pilger, die wir unterwegs kennengelernt haben. Viele wandern den Jakonbsweg, zum Teil auch aus Deutschland startend. Immer wieder haben wir interessante Begegnungen gehabt. Unsere Raeder wurden natuerlich immer wieder bestaunt und oft fotografiert.

Jetzt bereiten wir uns auf die Weiterreise nach Portgal vor, wo wir uns mit Freunden und Familie treffen wollen. Fuer uns wird es dann auch Zeit, weiter in den Sueden zu fahren, da es allmaehlich kalt wird.