5. Bericht: Von Sagres nach Tanger (29.10.04 - 25.11.04)

In Sagres mussten wir erst einmal ein paar Tage warten, da im nahen Lagos unsere Freunde Heidi und Ingo ein wunderschoenes Hotel besitzen, wohin sie uns als Hochzeitsgeschenk eingeladen hatten. Am 30.10. checken wir schon mal ein, und am 31.10. treffen die beiden dann auch aus Deutschland kommend dort ein, und wir verbringen ein paar wunderschoene Tage miteinander, mit Ausfluegen mit dem Schiff oder Spaziergaengen am Strand. Am 3.11. muessen wir dann weiter, denn der naechste Besuch wartet weiter unten an der Kueste. Leider verabschiedet uns Lagos nach ein paar trockenen und sonnigen Tagen wieder im REGEN, der dann auch die naechsten 61 km bis zum Abend anhaelt und uns kraeftig bremst. Aber wir holen die verlorenen Kilometer am naechsten Tag wieder auf und sind am 5.11. nach 230km rechtzeitig in Mazagon, um Christine und Michel zu treffen, die extra unseretwegen das Ende ihres Spanienurlaubes hierher verlegt haben (am 4.11. haben wir die Grenze wieder nach Spanien gewechselt). Mit den beiden verbringen wir dann einen wunderschoenen Tag am Strand beim Muschelsammeln. Die Ironie ist, dass wir endlich zuhauf und in allen Groessen und Farben unsere Jabobsmuscheln finden (Das Pilgeremblem vom Jakobsweg). Christine hatte uns noch genauso wie Heidi aus Deutschland fehlende Ausruestung mitgebracht. Danke noch einmal an dieser Stelle!!

Ach ja die Ausruestung: Wir wissen auch nicht, was wir machen sollen, bald werden wir wohl den Orden fuer die "World’s Worst User" bekommen. Nach den bereits beschrieben grossen und kleinen Problemen mit anderen Ausruestungsgegenstaenden haben wir in Lagos neue Ortlieb Packtaschen geschickt bekommen, nachdem unsere "Light" nicht dem Dauerregen gewachsen waren, haben wir nach tausenden Kilometern, die wir schon mit Produkten aus dem Hause Ortlieb auf der ganzen Welt in so ziemlich jeder Situation verbrachten, auch nicht glauben wollen, aber das Gewebe wurde immer durchlaessiger und der letzte Test, indem wir eine Packtasche als Wassersack umfunktionierten, zeigte dann einen Jutebeutel…(auch wenn schon welche unkten, wir haetten wohl zuviel mit Kakteen gekuschelt, wir waren ganz brav). Jetzt haben wir wieder brav die klassischen PVC-Packtaschen (die wir schon seit 13 Jahren ohne Probleme gefahren sind, die nur schwerer sind), allerdings mit den eigentlich nicht fuer diese Taschen vorgesehenen Quick-Lock-2 Aufhaengungen und den Diebstahlsicherungen. Wir sind wieder gluecklich.


Unser 2. Zelt brauchte inzwischen schon jede Menge “Seam-Sealer”(Nahtdichter) fuer die vielen undicht gewordenen Naehte. Die Regenjacken und -hosen haben wir mitsamt den Schuhen erst einmal in Impraegniermittel ertraenkt. Franzis tolle Nike ”Ich kann alles” Uhr, die natuerlich bis 30m wasserdicht sein sollte, hielt noch nicht einmal ein paar Wochen Dauerregen an ihrem Handgelenk aus und machte nach einem Wassereinbruch schlapp... Tja, und als letztes haben nach knapp 5800km unsere beiden vorderen 20Zoll-Schwalbe-Marathon-Reifen innerhalb von 48 Stunden die Graetsche gemacht. Einen Faltreifen hatten wir ja fuer den ersten noch als Ersatz dabei, aber fuer den zweiten musste dann ein BMX-Reifen im Traktor-Style herhalten. Bei beiden hatten sich ploetzlich massive Beulen gebildet, nachdem das Innengewebe gerissen war, das Fahren hatte mit den Beulen dann etwas von Trampolinspringen. Bei Franzis Reifen bildete sich zudem innerhalb von wenigen Kilometern ein mehrerer Zentimeter langer Riss, so das ein Platten nur noch von unserer Pannenschutzeinlage verhindert wurde. Aber immerhin haelt die von mir gewechselte Rohloff-Nabe bis jetzt vorzueglich und ohne Probleme. Wollen mal sehen, was als naechstes unangenehm auf sich aufmerksam macht.
Immerhin haben wir seit kurzem ein neues “Spielzeug”, einen Multimedia-MP3 Player mit 40GB Festplatte, auf dem wir jetzt unsere gesammelten 25GB Musik vom heimatlichen Rechner draufhaben und zusaeztlich noch die Bilder von der Kamera zwischenspeichern koennen, Digital-Tonaufnahmen machen, oder Radio hoeren koennen.

Zumindest etwas besonders Unangenehmes hat sich inzwischen schon seit Mazagon nicht mehr gemeldet: DER REGEN IST WEG !!!! UND DIE SONNE IST DA !!!! Anscheinend haben wir am 9.11. nach einem letzten 100km Ritt um das Guadalquivir-Delta und insgesamt 250km von Mazagon nach El Puerto de Santa Maria endlich die Sonne erreicht.

Als wir El Puerto de Santa Maria in Suedspanien erreichen, einem netten Ort gegenueber von Cadiz, zeigt unserer Kilometerzaehler schon 5970km. Hier wartete denn auch bereits unser letzter Besuch: Franzis Mutter und ihr Bruder Tom.
Die beiden hatten bereits am Vortag ein nettes Apartment bezogen und warteten bereits mit Medikamenten, Insulin und einem nettem Sortiment vegetarischer Spezialitaeten aus dem Reformhaus auf uns, Sojawuerstchen werden wir wohl die naechste Zeit nicht mehr bekommen...Vom 9. bis zum 18.11. machten wir dann gemeinsam Ausfluege mit Schiff, Bus und Bahn in die naehere und weitere Umgebung, z.B. nach Sevilla, Cadiz oder Gibraltar.

Auf der letzten Etappe nach Tarifa hatten wir dann noch eine besondere Begegnung: Auf dem Campingplatz in Santiago de Compostela ( vor fast zwei Monaten und 1700km weiter noerdlich) hatten wir ein deutsches Ehepaar kennengelernt, mit denen wir ins Gespraech kamen und bei denen wir ein Buch tauschten, einen Monat spaeter ueberholten sie uns dann kurz vor Sagres auf der Strasse, und es gab ein grosses “Hallo!!”. Kurz vor Conil (knapp einen Monat spaeter) ueberholen sie uns wieder und laden uns ein, zu sich auf den Campingplatz zu kommen. Das gibt dann natuerlich einen netten Abend, die beiden sind Fruehrentner und verbringen in ihrem riesigem Camper samt Hunden und zusaetzlichem Gelaendewagen den Winter im Sueden. Ist ja auch viel netter, wie wir abends gleich per Satelit in der Tagesschau sehen konnten. Hier hat der Regen uebrigens dazu gefuehrt, dass das uns bekannte Fruehlingsgruen schon Mitte November auf den Wiesen anfaengt.

Am 20.11. haben wir nach 6084 Gesamtkilometern (1708km ab Santiago) die Hafenstadt Tarifa erreicht. Von hier haben wir dann am fruehen Nachmittag mit einer sogenannten Schnellfaehre nach Tanger uebergesetzt. Wir hatten ja erst die Preis-Infos, die wir ueber die Faehre aus dem Internet bekommen hatten, nicht glauben wollen, aber es kostete dann wirklich 24,50 pro Person + 15,- pro Fahrrad (79,- Euro, One-Way fuer 35 Minuten). Dafuer bekamen wir dann aber auch eine Original-Norwegen-Faehre geboten, die in den Wintermonaten hier Dienst tut (mit original norwegischen Duty-Free-Shop und Preisen!!!!).

Endlich in Afrika!

Inzwischen hat die Firma Schwalbe auch ein groesseres Paket mit vier Ersatzreifen auf die Reise nach Marokko geschickt – kostenlos natuerlich !!! Wollen mal sehen, was der Zoll dazu sagt. Bis dahin verbringen wir erst einmal ein paar Tage zum Eingewoehnen in einem uralten Hotel in der ebenso alten Medina von Tanger. Der Kulturschock hielt sich in Grenzen. Waehrend Hendrik ein gutes und guenstiges Hotel gesucht hat, habe ich brav auf die Raeder aufgepasst und schon einmal alles auf mich wirken lassen: Hier ist alles vertreten, die Frauen laufen von leicht bekleidet bis tief verschleiert herum. Zur Zeit sind anscheinend kaum Touristen in Tanger, ueberall werden wir nach nur einem Besuch herzlich gegruesst. Den Vogel hat allerdings ein Strassenhaendler abgeschossen, der gleich am 1. Abend, als wir noch einmal durch die Strassen schlenderten, uns zurief: ”Where are your bicycles?”
Nach einer kurzen Eingewoehnungsphase wollen wir dann die Kueste entlang radeln, mit Stopps in Rabat, Casablanca und Agadir. Geplant ist ebenfalls ein Abstecher nach Marrakesch.
Inzwischen haben wir nach Franzoesischen, Spanischen und Portugisischen Tastaturen eine weitere Herausforderung im Internetcafe: Franzoesisch-Arabisch !!! Aber noch findet man fast alles, was man braucht, auch wenn nicht mehr dort, wo man es vermutet….


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