
9. Bericht: Mauretanien
(08.02.05 bis 20.02.05) Die
mauretanischen Grenzer haben
sogar noch armseligere Holzbuden,
sind dafuer aber viel
freundlicher. Unsere Visa (2x50
Euros) können wir problemlos in
marokkanischen Dirham bezahlen.
Nach der Grenze dann die
Überraschung: Eine nagelneue
wunderbare glatte Strasse. An der
Kreuzung nach Nouadhibou queren
wir die Gleise der berühmten
Eisenerzbahn und biegen ab in
Richtung Osten ins Landesinnere.
Kurz darauf schnauft sogar noch
in einer großen Staubwolke der
Zug an uns vorbei. Die nächsten
26 km folgen wir den Gleisen noch
in die Wüste auf der gleichen
radfahrfreundlichen Strasse -
allerdings haben wir jetzt auch
ziemlichen Gegenwind, was uns den
Spaß auch gleich wieder
verdirbt. Dann verklebt
plötzlich frischer Teer die
Reifen, und wir stehen vor der
ersten Sandbarrikade, die auf die
neue Trasse aufgeschüttet wurde,
um den motorisierten Verkehr
daran zu hindern, die neue noch
nicht fertige Strasse gleich
wieder umzupfluegen. Wir koennen
jedoch um die Barrikade drumherum
schieben und feixen uns eins, als
wir die gelegentlich
auftauchenden 4x4 Autos und
kleinen Lkws sehen, die sich
durch die Sandpiste arbeiten, die
neben der Trasse verlaeuft. Die
Barrieren sind teilweise alle
500m aufgeschuettet und lassen
uns trotz Gegenwind ganz schoen
ins Schwitzen kommen.
Der erste nicht
asphaltierte Abschnitt ist ca. 50
km lang, und teilweise
unterscheidet sich die Trasse
kaum noch von der Piste, je
nachdem wie weit die Arbeiten auf
der über kleine Huegel und durch
Duenengebiete gehende Abschnitt
schon vortgeschritten sind. Auch
auf der Trasse fahren wir uns oft
im mehlstaubfeinen Sand fest oder
werden auf allergroebster
Steinpiste durchgeschuettelt. Als
am naechsten Tag gegen Nachmittag
endlich ohne jede Ankuendiugung
wieder Asphalt auftaucht, wird
uns schnell bewusst warum - es
wird flach, sogar seeeehr flach
und eintoenig. Es folgen 230 km
wunderbarer Asphalt und es wird
langsam immer heisser, im nicht
vorhandenen Schatten sind es
jetzt um die 40°C, auf den
Packtaschen schlaegt das
Thermometer oberhalb von 60°C
an. Jetzt macht sich das
Kuhlsystem fuer das Insulin
bezahlt - die Thermosflaschen
behalten eine Aussentemperatur
von ca.22°C auf der
Sonnenabgewandeten Seite des
Rades.
Am 4. Tag aendert sich endlich
wieder leicht die Richtung der
Strasse gen Sueden, und der Wind
kommt auch wieder mehr von
hinten. Zum Glück gibt es bis
Nouakchott alle 20bis 60km kleine
Holzbuden am Wegesrand, wo wir
uns mit Wasser, Pasta, Keksen und
Konserven eindecken können. Wir
uebernachten wie schon seit
Wochen einfach in unmittelbarer
Nähe der Strasse hinter ein paar
Felsen. Menschen gibt es ohnehin
so gut wie keine, die uns oder
die wir stören koennten. Nachdem
die Strasse noch einmal ein paar
Huegel in ziemlich fiesen
Steigungen ueberwunden hat,
rollen wir in eine weite
Tiefebene runter - von weiten
kann man schon das Meer rauschen
hoeren. Unten angekommen,
beginnen noch einmal 90km
Buckelei auf einer Piste bzw.
angefangener Strassentrasse. Mal
schiebt der Wind uns mit fast
20kmh dahin, mal bremst uns der
Sand oder ein hoellisches
Waschbrett auf 5km/h und zwingt
uns, gleich zum Schieben.
Abends, es ist
der 12.2., suchen wir uns völlig
erschöpft nach 99km ein
windgeschütztes Plätzchen.
Immerhin haben wir vor 5 km in
einer kleinen Bude neben Wasser
und Lebensmitteln noch einen
kleinen türkischen
Camping-Gas-Kocher erstehen
können. Unser Optimus
Benzinkocher will einfach nicht
mehr - das mauretanische Benzin
ist sogar noch mieser als das
marokkanische, und dabei sollte
er doch alles verarbeiten
können, was es so Brennbares
gibt
.. Hendrik ist ist es
einfach leid, den Kocher 3-5 mal
pro Kochgang auseinanderbauen zu
dürfen, weil er schon wieder
verstopft ist. Zahlreiche
Brandlöcher im Zelt zeugen von
nicht planmaessig verlaufenden
Reparaturversuchen. Nachdem wir
unser leckeres
Standardessen der letzten Zeit :
Spaghetti mit Zwiebeln und
Konservengemüse in Tomatenmark
gegessen haben, geht es uns schon
wieder viel besser. Wir wollen
uns gerade hinlegen, da vernehmen
wir ein vertrautes Geräusch auf
dem Zeltdach, das wir gerade hier
jedoch am allerwenigsten vermutet
hätten - REGENTROPFEN !!! In der
Nacht brist es sogar noch richtig
auf, so dass wir das Zelt noch
nachspannen müssen, und es
plattert auf das Zeltdach, als
wären wir daheim im verregneten
Norden und nicht in der
staubtrockenen Sahara. Am
nächsten Morgen regnet es immer
noch, und es hört auch den Rest
des Tages nicht mehr auf - Regen
an sich wäre ja nicht sooo wild,
besonders bei den Temperaturen,
aber die Piste hat sich schnell
in eine Schlammpiste verwandelt,
und die restlichen 45km durch den
Schlamm schieben muss ja nicht
sein. Wüste im Regen hat schon
etwas besonders Surreales - und
wir hatten uns noch ein paar Tage
vorher gefragt, wie es wohl ist.
Der Anblick der langsam
trocknenden Schlammpassagen am
nächsten Tag gibt uns Recht.
Die
Verheißungen von kulinarischen
Köstlichkeiten einer richtigen
Stadt und die plötzlich wieder
auftauchende Asphaltstrasse, die
sich nun in vollkommen sinnloser
Autobahnbreite durch
die Wüste windet, plus ein
starker Rückenwind treiben uns
die letzten 110 km bis in die
Hauptstadt. Am 14.02 erreichen
wir nach 9003 km seit Hamburg und
1740 km durch die Sahara seit
Tan-Tan Nouakchot, die Hauptstadt
von Mauretanien. Nach der
Einsamkeit und Ruhe der Wüste
ist Nouakchot geradezu ein
Schock. So viele Menschen und
Autos auf einen Haufen haben wir
ja schon eine ganze Weile nicht
mehr erlebt. Bis jetzt sind wir
von den Mauretaniern sehr positiv
angetan - sehr freundliche,
offene Menschen. Wir werden kaum
angesprochen oder angebettelt und
wenn, dann akzeptiert man auch
gleich die Antwort -
wahrscheinlich gibt es auch
einfach nicht genug Tourismus, um
irgendwelche unangenehmen
Auswüchse zu
kultivieren
.. Es
scheint, dass schon mehr als die
Hälfte der Bevölkerung
schwarzafrikanisch ist und
dadurch auch eine andere
Lebenseinstellung hat.
Wir haben endlich das Gefühl, in
Afrika angekommen zu sein.
Nachdem wir den letzten
Supermarche in Agadir
vor über 2000 km gesehen hatten,
ist das Warenangebot in den
diversen Geschäften schier
ueberwaeltigend: Roquefort- Käse
in der Sahara !! Nach über einem
Monat muss Hendrik auch erst mal
wieder zum Barbier - den
gläubigen Moslem nimmt ihm
sowieso keiner ab
. Leider
scheint Mauretanien eines der
wenigen Länder zu sein, an dem
die Segnungen einer modernen
Kreditkarte bis jetzt
vorbeigegangen sind - No
Visa-Creditcard !! Also ab auf
den Markt und Euros schwarz
getauscht. Ansonsten scheint
Nouakchot nicht wirklich eine
Städtereise wert zu
sein. Nach der Unabhängigkeit
vor 40 Jahren auf dem Reißbrett
geplant und mitten in die Wueste
gesetzt, hat sie bis heute null
Flair entwickeln
können.1000sende zum Teil
urururalte Autos verstopfen die
Strassen in einem wilden
Durcheinander. Der Müll liegt in
zum Teil beängstigenden Mengen
rum, und der Sand der der letzten
Sandstürme ist auch noch lange
nicht wieder weggeschaufelt
worden.Tja, der Müll und seine
Entsorgung: unserer Meinung nach
ein Problem, dessen
Nichtbeachtung sich in diesem so
wasserarmen Land bitter rächen
wird. Uns begruesste Nouakchot
schon viele Kilometer, bevor wir
die Stadt auch nur erahnen
konnten, mit immer groesser
werdenden wilden und uebelst
stinkenden Müllbergen links und
rechts der Strasse, die sich
immer weiter in die Wüste
vorzuarbeiten schienen. Es
scheint zwar eine irgendwie
geartete Müllabfuhr aber
keinerlei Verwertung oder
geregelte Entsorgung zu geben. Da
fragt man sich natürlich dann
doch, was der kleine grüne
Punkt auf der
Getränkepackung aus Deutschland
hier zu suchen hat.
In Nouakchot besuchen wir gleich
am ersten Tag die malische
Botschaft und bekommen zu unserer
grossen Ueberaschung schon nach
drei Stunden unsere Visa fuer nur
zusammen 5 Euro ausgestellt.
Am 18.02.
machen wir uns schon weiter auf
den Weg nach Senegal. Zwei
weitere Tage Wueste und
Halbwueste liegen vor uns. Da die
Strasse schon laenger zu
existieren scheint, gibt es auch
fast durchgehend die ganzen 211km
bis zum Senegal-River eine
Besiedlung entlang der Strasse.
Nach nur zwei Tagen erreichen wir
abends den Grenzort Rosso und
quartieren uns kurz vor der
Faehre ein. Am naechsten Morgen
stehen wir dann auch schon nach
einem letzten Mal Schieben durch
den Sand vor dem Grenzhaeuschen,
es empfaengt uns ein irres
Gewusel und irgendjemand will uns
auch gleich Tickets fuer die
Faehre verkaufen, die dann
schlussendlich voellig
ueberteuert sind -- "welcome
to africa"!
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